Welches Tier paßt zu mir?

Es ist wohl eine der meistdiskutierten Fragen unter Tierfreunden: Wer ist der beste Freund des Menschen: Hund oder Katze?

Die Faszination des Hundes für den Menschen liegt seit jeher in seiner unvergleichlichen Fähigkeit und Bereitschaft zur Interaktion. Kaum ein anderes Tier bringt diese Bereitschaft mit, sein menschliches Gegenüber derart genau zu beobachten, verstehen zu wollen und schließlich sogar zu gehorchen, durch sein gesamtes Verhalten gefallen zu wollen. Der Hund macht es dem Menschen dadurch buchstäblich leicht. Und dafür wird er gemocht.

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Mag sein, dass die Katze ebenfalls über die nötigen Wahrnehmungen und Fähigkeiten verfügt. Vielleicht könnte sie sich ebenfalls bemühen und ist es ihr einfach nur zu dumm, sich vom Menschen „zum Affen“ machen zu lassen.

Tatsache ist jedenfalls, das der Hund das richtige Wesen für diejenigen ist, die mit ihrem Kumpel kommunizieren und interagieren wollen. Es kommt einfach mehr zurück. Die Tatsache, einem Hund etwas beigebracht zu haben ist ein Erfolgserlebnis, man fühlt sich verstanden.

In früheren Zeiten hatte das Beibringen von Fähigkeiten noch einen viel größeren Stellenwert: Man sprach vom so genannten Gebrauchshund. Ob als Jagd-, Wach- oder Hütehund. Gut ausgebildete Hunde können zahlreiche Funktionen übernehmen. Auch heute gibt es noch zahlreiche hochqualifizierte Spezialisten. Sei es um Drogen oder Lawinenopfer aufzuspüren oder um Behinderten zu helfen. Doch die Mehrzahl dient ihren Besitzern heute schlicht als angenehme Gesellschaft. Dabei wird allzu oft vergessen, wie wichtig es nach wie vor ist, dass ein Hund Aufgaben hat. Der schlimmste Feind eines Hundes ist nämlich Langeweile. Wer einen Hund hat, braucht Zeit, sich mit ihm zu befassen, sollte auch die Möglichkeit haben, ihn möglichst oft mitnehmen zu können. Gemeinsames Erleben ist angesagt. Und das kann gelegentlich zur Pflicht ausarten, denn Gassi gehen ist auch bei dichtem Schneetreiben erforderlich. Dafür bekommt man einen verlässlichen Begleiter, der sofort zur Stelle ist, selbst wenn’s mitten in der Nacht losgeht.

Die Katze betrachtet ihren Menschen hingegen wohlwollend als vertrautes Personal. Er oder sie möge dafür sorgen, dass sie alles hat, um ein rundum zufriedenes Katzenleben zu führen. Aber das ist noch lange kein Grund, um jederzeit verfügbar oder gar gesellig zu sein. Sicher, man ist mehr oder weniger verschmust, schätzt seine Streicheleinheiten, die mit vernehmbarem Schnurren quittiert werden. Aber ein gelegentlicher Ausflug in die Natur macht ohne Menschen eigentlich viel mehr Spaß. Die können sowieso nicht verstehen, warum man plötzlich einen Baum erklimmen möchte oder welche Faszination in der stundenlangen Observierung eines Mauseloches liegt.

Ein gepflegtes Zuhause ist allerdings aus Katzensicht auch nicht zu verachten. Kaum etwas ist schließlich so gut gepolstert wie ein Sofa und schön warm ist es auch in der menschlichen Behausung. Hat die Katze ihr Revier erst einmal erobert, so trennt sie sich ungern davon.

Der Vorteil für den Menschen liegt darin, dass nicht allzuviel von ihm erwartet wird. Gassi gehen bei üblem Schmuddelwetter, Stöckchen werfen bei Eiseskälte, solche Dinge bleiben dem Katzenhalter erspart. Trotzdem kann er sich auf die ungeteilte Zuneigung seines Hausgenossen freuen. Selbstverständlich haben auch Katzen ihren Lieblingsmenschen, dem sie vorbehaltlos vertrauen, an den sie sich gewöhnen. Im Gegensatz zum Hund ist das für sie aber noch lange kein Grund, sich regelrecht anzudienen. Eine Katze wird nicht bewusst versuchen, etwas richtig zu machen, etwas zu erlernen oder gar Kommandos zu befolgen. Gewiss wird sie bis zu einem gewissen Grade synchron mit ihrem Menschen leben und beispielsweise beim Zubettgehen einen guten Platz an seiner Seite zu ergattern suchen, aber nicht, weil das von ihr erwartet wird, sondern weil es dort warm und kuschelig ist.

Einen riesigen Vorteil bietet die Katze hinsichtlich ihrer Sauberkeit: Wenngleich Katzen ebenso haaren können, wie manche Hunderassen, so achten sie doch peinlichst auf ihr Äußeres und putzen sich regelmäßig, während ein Hund keine Hemmungen hat, mit völlig verdrecktem Fell und verschlammten Pfoten den nächstbesten Teppich zu betreten. Ausführliches Abtrocknen und Bürsten nach dem Spazierengehen sind bei entsprechendem Fell und Wetter fast obligatorisch.

Kann man Menschen hinsichtlich ihrer Vorliebe für Hund oder Katze in bestimmte charakterliche Muster einordnen? Viele Forscher haben das bereits versucht, allerdings ohne zu klaren Ergebnissen zu kommen. Eines lässt sich jedoch mit Sicherheit sagen: Hunde halten ihre Besitzer in Trab. Nicht umsonst antwortete in einem Werbespot ein schlanker Saunabesucher auf die Frage seiner deutlich gewichtigeren Begleiter nach seiner Trainingsmethode: „Ich habe einen Hund“.

Dass beide Tiere einen positiven Einfluss auf die menschliche Gesamtkonstitution haben, beweisen zahlreiche Studien. So fanden Forscher der American Heart Association heraus, dass New Yorker Devisenhändler, die eine Katze haben, stressresistenter sind als Kollegen ohne Katze. Blutdruck und Pulswerte seien besser gewesen. Weitere Forschungen ergaben, dass ältere Menschen, denen nach medizinischen Eingriffen ein Hund zur Seite gestellt wurde, sich deutlich schneller erholten. In Gefängnissen, in denen Hunde für Behinderte ausbildet wurden, ging das Aggressionspotential erheblich zurück; die Strafgefangenen ließen sich besser resozialisieren.

Haben Sie sich schon entschieden? Vielleicht müssen Sie das nicht einmal. Es gibt nämlich zahlreiche Haushalte, in denen Hund und Katze gut miteinander auskommen. Man hat sich arrangiert.