Es gibt nur wenige Katzen, die es zu Weltruhm gebracht haben. Dieser Kater hat es geschafft. Dabei fehlen ihm alle Eigenschaften, um sympathisch zu sein. Er ist träge, hämisch und gehässig, ein Typ, den man nicht unbedingt als Freund haben möchte.

Garfield ist wahrlich kein dynamisches Aktionsbündel, sondern eher der Prototyp eines Couch-Potatos, der die Welt mit einer Tüte Chips vom Sofa aus wahrnimmt und mit grenzenlosem Zynismus kommentiert. Dabei macht er nicht den geringsten Versuch, seinen miesen Charakter zu verbergen, eher kultiviert er ihn, so oft sich Gelegenheit dazu bietet. Mag sein, dass gerade das seinen Erfolg ausmacht. Manch einer, der sich täglich verstellen muss, erkennt sich heimlich in Garfield wieder.

Garfield wurde von Jim Davis erschaffen. Der Comic-Zeichner gab ihm den Namen seines Großvaters. Im Juni 1978 erblickte der Kater das Licht der Welt, er wurde erstmals veröffentlicht. Garfields Besitzer heißt Jon Arbuckle, zum Haushalt gehört außerdem noch ein Hund namens Odie. Garfield hat ein oranges Fell mit schwarzen Streifen. Seine Rasse wird von Jon als „exotisch Kurzhaar, rot getigert“ bezeichnet.

Die Garfield-Comics, kurze Geschichten, die in wenigen Bildern erzählt werden können, werden täglich von zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften rund um den Globus als kleiner „Schmunzel-Beitrag“ veröffentlicht. Mehr als 2.500 Lizenzen wurden dafür vergeben. Das „Guiness Buch der Rekorde“ verzeichnet Garfield als meist-lizenzierten Comic-Strip der Welt.

Garfield ist der Inbegriff von Lazyness. Er hasst Montage und außer rumzuhängen und maßlos zu fressen, bringt er nichts Gescheites auf die Reihe. Sein Leibgericht ist Lasagne, aber auch bei Singvögeln oder Goldfischen kennt er kein Erbarmen. Seine dicken Kulleraugen blicken oft schläfrig, um wirklich etwas zu unternehmen, ist er viel zu träge. Klar, dass Langeweile eines seiner Hauptprobleme ist. Die bekämpft er mit Fernsehen, doch ohne seine Fernbedienung ist er verloren. Hin und wieder flammt kurz einmal der Ehrgeiz auf, eine Diät zu beginnen. Um die jedoch konsequent durchzuziehen, fehlt es an der nötigen Konsequenz. Kurz, Garfield kämpft mit zutiefst menschlichen Problemen und dabei geht es ihm nicht besser, als seinen Fans.

Der Leser verfolgt Garfields Empfindungen mittels seiner Gedankenblasen. Sein Besitzer Jon weiß jedoch nichts davon. Sein Kater ist für ihn oft ein Buch mit sieben Siegeln. So ergibt sich zwangsläufig eine Parodie auf das Verhältnis vieler Haustierhalter zu ihren Vierbeinern. Im übrigen ist Jon ein unscheinbarer, gehemmter Typ. Sein Bemühen um Coolness scheitert, er wirkt eher unbeholfen und hat weder beruflich, noch bei den Frauen maßgebliche Erfolge vorzuweisen. Odie, der Hund des Hauses ist nicht besonders helle und wird von Garfield oft geärgert, gedemütigt und beleidigt. Zum Glück ist er gutmütig, so dass keine größeren Prügeleien daraus entstehen.

2004 wurden Garfields Abenteuer sogar von 20th Century Fox verfilmt. „Garfield – Der Film“ (mit Thomas Gottschalk als Garfields Synchronstimme) war so erfolgreich, dass 2006 „Garfield 2“ (hier lieh Oliver Kalkofe Garfield seine Stimme) folgte. Dieser Kater ist einfach unmöglich. Und dennoch lieben wir ihn. Ein Ende der Garfield-Story ist nicht abzusehen. Sind wir nicht alle ein bisschen Garfield?