„Hollywood“ ist das Synonym schlechthin, für alle, die es in der Filmindustrie bis ganz nach oben bringen wollen. Tausende pilgern alljährlich an diesen magischen Ort in Los Angeles und viele bleiben Jahre dort, in der Hoffnung, entdeckt zu werden und es bis an die Spitze zu schaffen. Jede zweite Kellnerin, jeder dritte Fitness-Trainer in der Stadt empfindet sich eigentlich als Schauspieler, der nur ein wenig jobbt, um die Zeit zu überbrücken, bis der große Durchbruch kommt. Und das kann ja nicht mehr lange dauern…

 

Das indische Synonym für Hollywood ist „Bollywood“. Kein eigentlicher Ort, sondern der umgangssprachliche Sammelbegriff für die dortige Filmindustrie. Der Begriff entstand aus der Verschmelzung von „Bombay“ und „Hollywood“ und meint die blühende Produktion unzähliger Soaps, die hinsichtlich der Zuschauerzahlen die meisten U.S.-amerikanischen Streifen deutlich in den Schatten stellen.

 

Jetzt macht ein neuer Begriff die Runde: „Kittywood“ ist ein Kind des Web-Zeitalters. Unzählige kurze Schmunzelszenen geistern Tag für Tag durchs Netz, werden in Newsgroups und Chatforen empfohlen und weitergereicht und erreichen oft in wenigen Stunden eine ungeahnte Verbreitung. Das Web ist voll von solchen putzigen Videos. Kurze Einstellungen, die amüsante, peinliche oder lächerliche Banalitäten zeigen, Missgeschicke aller Art, bei denen wieder mal jemand rein zufällig mit der Kamera drauf gehalten hat. Als Darsteller für den schnell gefilmten Gag haben sich Katzen ganz besonders bewährt. Es sieht einfach drollig aus, wenn sie plötzlich in den Mülleimer fallen, mit dem Kopf im Sahnekännchen stecken bleiben oder Nachbars Bulldogge in die Flucht schlagen.

 

Auf YouTube findet man zehntausende solcher Katzenbeiträge. Wer macht sich diese enorme Mühe? Das können doch nicht nur private Zufallsproduktionen sein, hier sind sicher auch Profis am Werk. Die sind nämlich der Meinung, dass Kitty-Clips der Trafficbringer der Zukunft sind, erfährt man in einem Beitrag, der verspricht, hinter die Kulissen des Metiers zu blicken. Ein gutes Kitty-Movie bringe weit mehr Besucher, als konventioneller Content, behauptet Joe Nicolosi. Er habe sich deshalb ganz dem Metier „Miau“ verschrieben. In den „Kittywood Studios“ gehe man die Sache mit Disziplin an: Ideenentwicklung, Storyboard, Umsetzung. Und wenn die Darsteller gut mitspielen, entstünden in kurzer Zeit mehrere Streifen nacheinander. Kein Aufwand werde gescheut, keine Technik sei zu teuer, um erstklassiges Kitty-Material zu produzieren. 3D-Animation sei selbstverständlich.

 

Anfangs klingt das alles ganz plausibel. Doch die Vorstellung des Studios wirkt mit der Zeit mehr und mehr, als ginge es um die Einführung eines Medienkonzerns an der Börse. Alles wirkt ein wenig zu perfekt. Und dieser Effekt steigert sich, bis man schließlich schallend lachen muss, wenn der vermeintliche CEO ganz im Stil von Steve Jobs erklärt, wie er seine Vision aus den Neunziger Jahren mit harter Arbeit zu einer Produktion hat ausbauen können, die mittlerweile Billionen von Seitenaufrufen generiert. Das ist so dick aufgetragen, dass man erkennt, einer wirklich gut gemachten Satire aufgesessen zu sein. Kittywood ist eben nicht mehr, als eine nette Idee, aber verdammt gut umgesetzt. Respekt den Machern von der Produktion „pixelpersecond“, die sich damit zweifellos für weitere Aufgaben empfohlen haben.