Was umfaßt eigentlich der Begriff „Tierpsychologie“? Das Verständnis dessen, was mit „Psychologie“ gemeint ist, hat sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt: Ursprünglich verstand man darunter das deskriptive Beobachten und Verstehen von natürlichen Verhaltensmustern im Sinne der Verhaltensforschung. Fast jeder hat schon einmal von Konrad Lorenz gehört, der einer der bekanntesten Vertreter dieses Fachgebietes war. Er schrieb populärwissenschaftliche Bücher wie „Er redete mit dem Vieh, den Vögeln und den Fischen“, „So kam der Mensch auf den Hund“ und „Das sogenannte Böse: Zur Naturgeschichte der Aggression“ und erlangte dadurch Berühmtheit.

Man wollte wissen, wie Tiere Dinge wahrnehmen, empfinden und verarbeiten. Letztlich stand dahinter auch der Wunsch, die Auffassungsgabe und geistige Leistungsfähigkeit auszuloten. Seit einigen Jahren ist man nun auch auf dem Weg, das Verhalten, insbesondere das von Haustieren, durch gezielte Einflußnahme zu modifizieren. Zu diesem Zweck entwickeln Tierpsychologen regelrechte Tier-Verhaltenstherapien, um unliebsame Angewohnheiten oder „Macken“ abzugewöhnen.

Was können Katzenpsychologen bieten? Katja Rüssel beispielsweise berät und unterstützt, um das Zusammenleben zwischen Mensch und Katze harmonischer zu machen. Sie hat ein Buch mit dem Titel „Katzen-Clickertraining“ geschrieben. Vom Hausbesuch bis zur Telefonberatung, alles ist möglich. Andere offerieren sogar eine Online-Beratung für Problemkatzen. Hier wird „klassische Katzenpsychologie“ mit Naturheilkunde gepaart. Unsauberkeit, Angst oder Aggressivität sollten damit in den Griff zu kriegen sein.

Letztlich nutzt bereits jeder, der durch Belohnung ein bestimmtes Verhalten eines Tieres fördert, um ihm etwas beizubringen, einen psychologischen Ansatz. Doch Tierpsychologen suchen heute nach Wegen, weit umfassendere Verhaltensmuster als nur das Bringen eines Stöckchens in den Griff zu bekommen. Um Tipps zu erarbeiten, wie unerwünschtes Tierverhalten korrigiert werden könnte, muss man natürlich ein fundiertes Wissen über Instinkte und Motivationsimpulse der jeweiligen Tierart haben. Insofern bildet auch hier Verhaltensforschung die unverzichtbare Grundlage.

Wer Katzen kennt, der kennt ihre innere Unabhängigkeit. Um es mit Tucholsky zu sagen: „Hunde haben Herrchen – Katzen haben Personal.“ Die Möglichkeiten der verhaltenstherapeutischen Einflußnahme werden folglich Grenzen haben. Wozu sollte  Katze oder Kater sich Mühe geben? Und so dürften viele katzenpsychologische Bemühungen darauf hinauslaufen, dass der Mensch sein Verhalten entsprechend anpasst, damit die Partnerschaft mit der Katze klappt. Andernfalls ist vermutlich der beste Psychologe für die Katz.

Die Bezeichnung „Tierpsychologe“ ist weder normiert, noch geschützt. Etliche weitere Begriffe wie Katzentherapeut oder Coach geistern durch die Szene. Eine Aussage über die Qualifikation vermögen sie kaum zu geben. Vereinzelt finden sich Bezeichnungen, die aus humanpsychologischen Verfahren abgeleitet oder übernommen worden sind, wie beispielsweise „NLP“. Am fundiertesten dürften Veterinärmediziner mit einer zusätzlichen Ausbildung in „Verhaltensmedizin“ geschult sein.

Tierpsychologie ist nicht zu verwechseln mit tiergestützter Therapie. Dabei handelt es sich um Verfahren, die helfen sollen, Menschen mit bestimmten Behinderungen, Einschränkungen oder in Reha-Situationen durch die Mithilfe besonders ausgebildeter Tiere gesundheitliche Hilfestellungen zu geben.