London, Downing Street Number 10 – rund um den Globus ist diese Adresse bekannt. Denn hier ist der Sitz des britischen Premiers. Und wann immer es etwas Politisches aus der britischen Metropole zu berichten gibt, stellen sich Reporter vor dieses Gebäude, um die seit Jahrzehnten vertraute Fassade mit im Bild zu haben. Den vertrauten Eingang kennt man, auch wenn man ihn nie selbst betreten hat; jeder der ihn sieht, weiß sofort, jetzt geht es um Britannien, Commonwealth und Empire.

Doch seit einiger Zeit sind diese Bilder zunehmend getrübt durch kleine Schatten, die immer mal wieder durchs Bild huschen. Ratten und Mäuse nehmen nämlich überhand. Das macht keinen guten Eindruck. So möchte sich eine Weltstadt international nicht präsentieren. Man ist schließlich einer bedeutenden Historie verpflichtet. Also sann man auf Abhilfe.

Seit mehr als zwei Wochen ist nun „Larry“ für das Problem zuständig. Er soll es auf natürliche Weise lösen und mit katzentypischem Jagdinstinkt der Plage Herr werden. Ganz wie 007, James Bond: Im Dienste ihrer Majestät – mit der Lizenz zu töten. Scheinbar ist ihm gar nicht klar, was für eine herausragende Stellung er damit bekleidet. Als Kater am Sitz des britischen Premiers ist er mit vielen Vorschußlorbeeren an den Start gegangen und in der internationalen Presse und auf zahlreichen TV-Kanälen ausführlich vorgestellt worden. Seine Stellung versieht er quasi mit dem begehrten Titel „By appointment to Her Royal Majesty“, für dessen Zuerkennung andere lange haben kämpfen müssen.

Niedlich sieht er ja aus, aber bislang ist er mehr durch stoische Ruhe aufgefallen, als durch ernsthafte Dienstbeflissenheit. Er döst viel, springt gelegentlich auf den Kabinettstisch und hinterläßt überall seine Haare. Nur mit der Rattenjagd will es nicht so recht was werden. Offenbar hat Larry seine Stellenbeschreibung nicht genau genug gelesen: Von Kuscheln war da keine Rede. Wenn er weiter so untätig bleibt, riskiert er einen Rausschmiss, noch vor Ablauf der Probezeit. Doch wahrscheinlich kann sich der Premierminister nicht einmal mehr einen derart konsequenten Schritt erlauben, jetzt, wo Larry bereits zum Darling der internationalen Weltpresse avanciert ist…

Wir wissen zwar nicht, was die Queen, deren eigenes Leben stets von Disziplin und Haltung bestimmt ist, von Larrys lässiger Arbeitsmoral hält. Es ist jedoch zu vermuten, dass sie „absolutely not amused“ sein dürfte. Ganz im Gegensatz zu den Ratten.