Niemand weiß, wie viele es genau sind. Aber man schätzt, dass sich allein in Hamburg mehrere Tausend wild lebende Katzen auf eigene Faust durchschlagen.

Häufig sieht man an Bäumen und Laternen Suchanzeigen, in denen entlaufene Katzen gesucht werden. Oft sind sie jahrelang hin und wieder durch die Natur gestreift und nach einigen Stunden brav an den häuslichen Futternapf zurückgekehrt. Doch ab und zu kommt es vor, dass Katzen sich unverhofft ein neues Zuhause suchen. Manchmal sind sie einfach in der Nachbarschaft eingezogen. Doch oft verliert sich ihre Spur im Nichts.

Katzen sind sehr anpassungsfähig. Sie finden immer irgendwo ein geschütztes Plätzchen. Kleingärten, Betriebshöfe, Fabrikgelände, Lagerschuppen, Speicher oder Friedhöfe bieten zahllose Rückzugsmöglichkeiten. Ein warmer Schornstein, ein Abluftschacht oder die Restwärme eines Auspuffs geben für eine Zeit ein kuscheliges Plätzchen zum Ausruhen. Dann geht es wieder auf die Pirsch. Klar, dabei trifft man so manchen Artgenossen. Und so wundert es nicht, dass wild lebende Katzen und Kater miteinander eine Menge Nachwuchs zeugen.

Kaum jemand kann die Menge derer, die da unterwegs sind, einschätzen. Die Katzen gelangen auch kaum ins Bewußtsein, denn sie sind vorwiegend nachts unterwegs. An Nahrung herrscht kein Mangel. Man muss nur einmal daran denken, dass selbst vorsichtige Schätzungen davon ausgehen, dass es im Stadtgebiet möglicherweise mehr Ratten als Menschen gibt. Dazu kommen Mäuse und mit etwas Glück findet sich hin und wieder auch etwas Leckeres im Abfall. Außerdem sorgen manche Tierfreunde mit zusätzlichen Futterrationen für die Tiere. Viele Freiwillige haben sich sogar in Vereinen zusammengeschlossen und organisieren die Fütterungen koordiniert.

Manche übertreiben es allerdings auch mit der Tierliebe: Immer wieder erleben Tierschutz-Mitarbeiter, dass in total verdreckten Messie-Haushalten riesige Katzenpopulationen hausen, denen der vermeintliche Tierfreund, der sie nach und nach aufgenommen hat, längst nicht mehr Herr wird.

Eine Tötung der wild lebenden Tiere kommt nicht in Frage, denn weder stellen sie eine Gefahr dar, noch sind sie erkrankt. Die Tierheime helfen zwar bei Verletzungen, sie übernehmen auch die Kastration, damit das Problem nicht weiter ausufert. Sie lehnen es aber mit Hinweis auf das Tierschutzgesetz ab, alle wild lebenden Katzen einzusperren. Mal abgesehen davon, dass die vorhandenen Kapazitäten dafür bei weitem nicht ausreichen würden. Wann immer es jedoch machbar ist, wird ein neues Zuhause vermittelt, in dem eine artgerechte Haltung möglich ist.