Mag die Katze daheim auch noch so zart und anschmiegsam sein, sie bleibt ein Raubtier. Schon beim Blick durchs Fenster ist die Katze von Vögeln und Kleintieren fasziniert, die sie von der Fensterbank aus gebannt beobachtet. Dabei kann es zu einem deutlich hörbaren Zähneklappern kommen. Damit wird der Beißtrieb der Jagd schon bei der Betrachtung möglicher Beute quasi vorweggenommen. Verhaltensforscher sprechen dabei von einer Leerlauf-Handlung.
Draußen entfaltet sich der Jagdtrieb voll, auch wenn er nicht dazu dienen muss, das tägliche Futter zu beschaffen. Der Schwerpunkt liegt aber eindeutig auf Nagetieren, Vögel sind eher die Ausnahme. Mit bemerkenswerter Geduld wartet die Katze auf ihre Gelegenheit und pirscht sich lautlos an. Dabei nutzt sie jede geeignete Deckung. Mit gesenktem Kopf, den Körper dicht an den Boden gedrückt, wird sich leise angepirscht. Oft ist nur der obere Teil des Kopfes zu sehen. Die Taktik zielt darauf ab, unentdeckt so nahe wie möglich zu kommen, so dass nur noch ein kurzer Satz erforderlich ist. Ein Verfolgungsrennen soll möglichst vermieden werden. Möglichst schnell möchte die Katze ihren Tötungsbiß im Genick des Opfers anbringen. Schon um bei möglicher Gegenwehr nicht selbst von Krallen, Zähnen oder einem Schnabel verletzt zu werden. Ist ein gefährlicher Biß, zum Beispiel durch eine Ratte zu befürchten, wird diese erst einmal mit kräftigen Pfotenschlägen hin und hergeworfen, um sie benommen zu machen. Es kommt aber auch vor, dass eine Katze unnötig lange mit dem Beutetier spielt, bevor sie es tötet. Da wird beispielsweise eine Maus in die Höhe geworfen. Oder der Maulwurf kann eine kurze Strecke entkommen, um dann wieder eingefangen zu werden. Dieses Verhalten ist in der Natur kaum zu finden. Es ist eher eine Dekadenz der gesättigten Hauskatze, die sich die Jagd als reinen „Zeitvertreib“ leisten kann. Die Jagd macht ihr so viel Vergnügen, dass sie versucht, sie zu verlängern. Gerade weil die Hauskatze atypisch selten Gelegenheit zur Jagd hat, überreagiert sie, sofern es doch einmal dazu kommt.
Die Jagd wird von der Katze grundsätzlich alleine durchgeführt. Beim Hinzukommen eines Menschen oder eines Artgenossen, wird sie sofort abgebrochen. Freilebende Katzenmütter bringen ihren Jungen allerdings gelegentlich bewußt noch lebende Beute, um ihnen in der Praxis die Grundlagen der Jagd beizubringen. Wenn Katzen ihren Besitzern erlegte oder noch lebende Beutetiere bringen, so handelt es sich in der Regel um Weibchen. Das Heimbringen der Beute stellt eine Ersatzhandlung für die Versorgung und Ausbildung der Jungen dar.
Deutliches Schwanzwedeln beim Anpirschen kann den Jagderfolg von Hauskatzen gelegentlich zunichte machen, denn der bewegte Schwanz wird von der Beute leicht wahrgenommen, die sich daraufhin schnellstens in Sicherheit bringt. Das Schwanzwedeln ist normalerweise Zeichen einer inneren Konfliktsituation, in der sich die Katze nicht entscheiden kann, ist aber für eine erfolgreiche Jagd kontraproduktiv. Der innere Konflikt entsteht im Umfeld flacher Terrassen, Gehwege und kurz gemähter Rasenflächen durch das völlige Fehlen geeigneter Deckung, die Jagd kann nicht instinktgemäß durchgeführt werden. Das bringt die jagende Hauskatze „aus dem Takt“.
Nachdem die Beute erfolgreich erlegt worden ist, unternimmt die Katze eine rituellen Spaziergang, vermutlich um Kraft zu sammeln und die entstandene Spannung abzubauen. Erst dann wird gespeist. Fell und Knochenteile, die mit gefressen werden, werden anschließend als Gewölle wieder ausgewürgt. Solche haarigen, kugeligen Klumpen enthalten all das, was nicht verwertbar bzw. unverdaulich war. Vögel mit großen Federn werden vor dem Verzehr gerupft. Dazu wird die Beute mit den Vorderpfoten fixiert. Mit dem Gebiss werden die Federn unter kräftigem Rucken des Kopfes ausgerissen.