Katzen haben bemerkenswerte Fähigkeiten und Eigenschaften. Vieles können Wissenschaftler bereits erklären:

Gerüche entschlüsseln
Katzen haben einen enormen Geruchssinn und können feinste Duftspuren wahrnehmen und winzige Nuancen voneinander unterscheiden. Dazu bedienen sie sich des Jacobsonschen Organs. Das ist ein kurzer Röhrengang (gut einen Zentimeter lang), der im Gaumen sitzt und hinter den Schneidezähnen des Oberkiefers in der Mundhöhle mündet. Strömt Luft hindurch, so können darin befindliche chemische Stoffe äußerst sensibel und trennscharf erkannt werden. Das Jacobsonsche Organ hat zwei Funktionen. Es entschlüsselt Gerüche und es unterstützt gleichzeitig auch die Geschmackswahrnehmung. Es handelt sich dabei um ein zusätzliches Sinnesorgan; beim Menschen ist etwas Vergleichbares nicht oder, in Folge der evolutionären Verkümmerung, nicht mehr nachweisbar.
Wenn die Katze das Jacobsonsche Organ aktiv einsetzt, kann man das sogar manchmal beobachten. Es sieht so aus, als rümpfe sie bei leicht geöffnetem Maul und zurückgezogenen Oberlippen die Nase. Die Zunge bewegt sich intensiv, um den Luftfluß durch das Jacobsonsche Organ zu unterstützen. Gelegentlich wird die Luft sogar hörbar eingesogen. Die Gesichtszüge scheinen einen Anflug von Ekel auszudrücken. Diese Mimik wird von Katzenkennern als „Flehmen“ bezeichnet. Es ist ein Moment höchst konzentrierten Riechens. Der vermeintliche Ekel im Gesichtsausdruck täuscht. Wie man herausgefunden hat, tritt das Flehmen auch bei äußerst angenehmen, wohlriechenden und interessanten Düften auf. Die Mimik wird gelegentlich auch als arrogant oder verdutzt beschrieben.

Mit hervorragendem Orientierungssinn Orte wiederfinden
Katzen wird oft nachgesagt, sie seien mehr an ihr gewohntes Zuhause gebunden, als an Bezugspersonen. Ältere Katzen ziehen es eventuell sogar vor, die gewohnte Umgebung beizubehalten, selbst wenn ihre Besitzer umziehen. Sie gewöhnen sich dann lieber an neue Menschen, als an ein neues Heim.
Da Katzen aber auch gerne im Revier umherstreifen, brauchen sie eine gute Orientierung, um wieder nach Hause zu finden. Im Nahbereich hilft ein gutes visuelles Auffassungs- und Erinnerungsvermögen, unterstützt von gespeicherten Gerüchen. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Berichte über Katzen, die, nachdem sie an weit entfernte Orte gebracht worden waren, ohne Hilfe über hunderte von Kilometern wieder zurückfanden und nach Monaten wieder am Ursprungsort auftauchten. Bei Versuchen wurde festgestellt, dass Katzen, auch wenn man sie weit weg von ihrem Revier aussetzt, noch in der Lage sind, die korrekte Richtung einzuschlagen, um nach Hause zu finden. Und zwar auch dann, wenn weder Sonne, Mond, noch der Stand der Sterne Orientierungshilfen geben können. Nach heutigem Forschungsstand wird angenommen, dass eine hohe Sensibilität für den Verlauf des Erdmagnetfeldes zur Orientierung befähigt. Eine kompaßartige Wahrnehmung, die mittlerweile auch bei etlichen anderen Arten nachgewiesen worden ist. Zu diesem Schluß kam man, nachdem die Tiere in einigen Forschungsreihen mit starken Magneten irritiert worden waren, was das Orientierungsvermögen tatsächlich völlig durcheinanderbrachte.

Unwetter, Erdbeben und Vulkanausbrüche erahnen
Es ist häufig beobachtet worden, dass Katzen kurz vor dem Ausbruch von Erdbeben oder Vulkaneruptionen sehr unruhig geworden sind. Instinkte wurden geweckt, die Tiere suchten nach Fluchtmöglichkeiten.
Die Wahrnehmung der Katze ist derart sensibel, dass auch minimalste Vibrationen fühlbar werden. Wissenschaftler wissen seit langem, dass Erdbeben Phasen geringer Erschütterungen vorausgehen, die sich der menschlichen Wahrnehmung völlig entziehen. Ferner ist bekannt, dass die statische Elektrizität, also die elektrische Aufladung der Luft, vor Beben und Wirbelstürmen erheblich ansteigt. Auch das könnten Katzen mit ihren Sinnen möglicherweise erkennen. Während Menschen solche Naturerscheinungen, zum Beispiel beim Auftreten von Föhn, undifferenziert als Unwohlsein erleben, können Katzen sie möglicherweise mit spezifischen Gefahren assoziieren.
Auch im Erdmagnetfeld treten bei Erdbeben deutliche Verschiebungen auf. Da bereits durch Forschungen belegt ist, dass der Orientierungssinn der Katzen maßgeblich auf der Wahrnehmung des Magnetismus beruht, könnten magnetische Anomalien vor dem Ausbruch von Erdbeben und Vulkanen ebenfalls als Warnsignale fungieren.
Fairerweise muss gesagt werden, dass die Fähigkeit, Erdbeben im voraus zu spüren, nicht exklusiv für Katzen gilt. Es gibt zahlreiche andere Tierarten, unter anderem Hunde, bei denen man das in ähnlicher Weise hat beobachten können. Wer die Warnsignale seiner Tiere rechtzeitig zu deuten weiß, dem können sie möglicherweise das Leben retten.

Schlafen in Etappen
Die wild lebende Katze ist auf der Jagd so erfolgreich, dass sie es sich leisten kann, den größten Teil ihres Lebens zu verschlafen. Das spart Energie. Da die Phasen der Aktivität oft in den Nachtstunden liegen, wird ein großer Teil des Schlafes tagsüber absolviert. Katzen sind in der Lage, ihren Schlaf in zahlreiche einzelne Perioden zu unterteilen. Addiert man die längeren Schlafphasen und die kürzeren Nickerchen, so kommt eine Katze auf etwa 16 Stunden Schlaf täglich, verbringt also etwa zwei Drittel ihres Lebens schlafend. Die Hauskatze, die sich um ihr Futter nicht zu sorgen braucht, kann sich ausgedehnten Schlaf um so mehr leisten.

„High“ werden von pflanzlichen Ölen
Dass Katzen einen außerordentlich guten Geruchssinn haben, ist bekannt. Einige suchen sogar gezielt nach bestimmten Pflanzen, um sich damit in eine Art kurzfristigen Rauschzustand zu versetzen. Dazu gehören insbesondere die Katzenminze (nepeta cataria) sowie der Baldrian (valeriana officinalis). Das in der Katzenminze enthaltene Öl „Hepetalactone“ wirkt auf viele Katzen wie eine aufputschende Droge. Sie reiben sich daran, wälzen sich darauf und parfümieren Wange und Kinn intensiv mit dem Duft. Sie schnüffeln und lecken an den Pflanzen und kauen darauf herum. Die Wirkung kann als enthemmend bezeichnet werden und verschafft der Katze ein Wohlgefühl, das einem kurzzeitigen Rauschzustand ähnlich zu sein scheint. Etwa die Hälfte aller Katzen ist dafür empfänglich. Die Neigung ist genetisch bedingt und völlig unabhängig davon, ob es sich um männliche oder weibliche Tiere handelt und ob diese in einer sexuell empfänglichen Phase sind oder nicht. Die berauschende Wirkung tritt nur bei äußerlichem Kontakt mit den Gewächsen auf. Werden die Inhaltsstoffe als Arznei zum Einnehmen verabreicht, so wirken sie in keiner Weise berauschend, sondern sogar beruhigend.