Das Heranwachsen der Katzenbabys

Die Babys wiegen nach der Geburt etwa 100 Gramm und sie sind etwa 13 Zentimeter lang. Noch sind sie blind und taub, aber riechen können sie schon tadellos und auf diese Weise finden sie sicher die Zitzen der Mutter. Sie können sogar mit der Zeit die verschiedenen Zitzen am Geruch unterscheiden und gewöhnen sich an eine persönliche Lieblingszitze. Das hat den Vorteil, dass es bald zu einer friedlichen und ausgewogenen Verteilung der Babys am Bauch der Mutter kommt. So werden Streitereien unter den Katzenkindern um die beste Position von vornherein vermieden.
Nach etwa drei Tagen beginnen die Babys, beim Trinken mit den Vorderpfoten die Milchdrüsen durch rhythmische Tritte zu massieren, um den Milchfluß anzuregen. Schon nach einer Woche hat sich das Gewicht nahezu verdoppelt und die Augen beginnen, sich zu öffnen. Anfangs sind sie blau, aber die Augenfarbe kann sich während der späteren Entwicklung noch deutlich verändern.
Nach der dritten bis vierten Woche, zieht die Mutter mit ihrem Nachwuchs gewöhnlich in ein neues Nest. Um die Jungen einzeln zur neuen Höhle zu tragen packt die Mutter sie im Genick und hebt sie so in die Höhe. Dieser Griff an der Hautfalte im Nacken tut nicht weh und ein instinktiver Reflex sorgt dafür, dass die Jungen nicht zappeln und sich so kurz wie möglich machen, um möglichst kompakt zu sein und nirgends anzuecken. Sie hängen still und unbeweglich bis sie wieder zu Boden gesetzt werden. Nach dem letzten Baby vergewissert sich die Mutter durch einen abschließenden Gang, niemanden vergessen zu haben.

Oft wird vermutet, dass der instinktgeleitete Umzug erfolgt, um mehr Platz zu haben oder um wieder ein saubereres Heim zu beziehen. Verhaltensforscher vermuten jedoch einen anderen Grund: Zunächst brauchen Babys maximale Sicherheit, weit ab von möglichen Feinden, später jedoch sollen sie sich Schritt für Schritt an die zukünftige Umgebung und ans Beutemachen gewöhnen. Dazu ist das neue Zuhause geeigneter. Auch die Hauskatze vollführt diesen Schritt. Möglicherweise rückt das neue Nest dabei näher an den Futternapf. Abgesehen davon, sind in jeder Phase zusätzliche Umzüge möglich, wenn die Mutter die Sicherheit ihrer Familie bedroht sehen sollte oder wenn es zu unruhig wird.
Der unbeeinträchtigte familiäre Geruch aller Babys spielt für die gegenseitige Erkennung und Akzeptanz eine entscheidende Rolle. Massive Geruchsveränderungen können für die Babys sogar gefährlich werden, weil sie von der Mutter verstoßen, im schlimmsten Fall sogar gefressen werden könnten. Wildkatzen reagieren dabei intoleranter als Hauskatzen, die menschlichen Geruch an ihren Jungen bis zu einem gewissen Grad akzeptieren.
Mit einem Monat können die Kätzchen bereit aufrecht sitzen, unsicher gehen und sie beginnen miteinander zu spielen. Jetzt zeigen sich auch die ersten kleinen Milchzähne, die äußerst scharf sein können. Neben Milch fressen sie auch schon ein wenig festes Futter, werden aber noch bis zum Alter von zwei Monaten weiter gesäugt. Danach versiegt der Milchfluß und sie müssen sich komplett auf feste Nahrung umstellen.
Im zweiten Lebensmonat wird intensiv getobt und gespielt, wobei das Haschen, Jagen und Kämpfen mit der Zeit immer mehr an Bedeutung gewinnt. Auf dem Land wird die Mutter ihren Jungen in dieser Phase gelegentlich lebende Beute bringen, um ihnen durch praktische Anschauung die Jagdtechnik und das Töten beizubringen. Grundsätzlich sind alle notwendigen Instinkte für die erfolgreiche Jagd bereits vorhanden. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass auch Katzen, die isoliert, ohne Mutter aufgezogen wurden, über die erforderlichen Fähigkeiten verfügen. Sie tun sich aber leichter und sind später selbst erfolgreicher, wenn sie das Töten und Fressen schon beim Aufwachsen öfter in der Praxis beobachten konnten. Eine Ausnahme bilden Katzen, die mit Nagetieren als Familienangehörigen aufgewachsen sind. Sie werden Tiere der gleichen Art später nicht als Beutetiere ansehen.
Nach eineinhalb Monaten weist die Hauskatze ihre Jungen auch in den Gebrauch des Katzenklos ein.